Im Mittelpunkt des Empfangs stand ein Impulsvortrag von Christof Fischer zur psychosozialen Notfallversorgung (PSNV). Unter dem Titel „Lehren aus dem Einsatz beim Amoklauf Winnenden“ gab er Einblicke in Erfahrungen und Entwicklungen dieses wichtigen Einsatzbereichs. Fischer ist neuer Gruppenführer PSNV beim DRK in Schaumburg und bringt umfassende Erfahrung aus seiner bisherigen Tätigkeit in Baden-Württemberg mit.
Der DRK-Kreisbereitschaftsleiter Philip Tölke eröffnete die Veranstaltung und hob die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit der sogenannten Blaulichtorganisationen im Landkreis hervor. Angesichts vielfältiger Gefahrenlagen – darunter Autobahn- und Bahnverkehr, die Weser sowie zunehmende Großschadensereignisse – sei diese Kooperation unerlässlich. Erfolgreicher Katastrophenschutz basiere auf moderner Ausbildung, gegenseitiger Anerkennung und einer engen, organisationsübergreifenden Zusammenarbeit. Zugleich verwies Tölke auf veränderte Sicherheitslagen durch Extremwetterereignisse, Klimawandelfolgen und den Schutz kritischer Infrastrukturen.
Michael Bretzing, der kurzfristig den DRK-Landesbereitschaftsleiter vertrat, informierte über aktuelle Themen auf Landesebene. Dazu zählen insbesondere Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung, etwa durch den Aufbau von Jugendbereitschaften, sowie die stärkere Einbindung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Auch die Weiterentwicklung von Ausbildungsformaten, beispielsweise durch E-Learning-Angebote, spiele eine wichtige Rolle.
Astrid Otto, Dezernentin für den Katastrophenschutz im Landkreis Schaumburg, betonte in ihrem Grußwort die hohe Qualität der Zusammenarbeit aller Hilfsorganisationen. Sie dankte den zahlreichen ehrenamtlichen Einsatzkräften für ihr Engagement und unterstrich die Notwendigkeit, die Kooperation künftig weiter zu intensivieren – insbesondere durch gemeinsame Übungen. Trotz der bereits guten Aufstellung müsse der Bevölkerungsschutz kontinuierlich weiterentwickelt werden.
Auch Joachim Muth, neuer Kreisbrandmeister, hob die Bedeutung von Austausch und Vernetzung hervor. Schaumburg habe zuletzt bei der Hochwasserlage im Jahr 2023 eindrucksvoll gezeigt, wie leistungsfähig der Katastrophenschutz in der Region sei. Gleichzeitig wies er auf strukturelle Veränderungen hin: Das Land Niedersachsen investiere verstärkt in den Katastrophenschutz, verbinde dies jedoch mit umfangreichen Umstrukturierungen – etwa der Zusammenlegung bestehender Einheiten zu neuen Einsatzstrukturen.
Heiko Tadtge, Vorsitzender des zuständigen Kreistagsausschusses, würdigte die starke ehrenamtliche Basis im Landkreis. Der Katastrophenschutz des DRK sei gut aufgestellt und profitiere von der engen Zusammenarbeit mit anderen Organisationen. Politik und Verwaltung seien sich der Bedeutung dieses Engagements bewusst und wollten auch künftig – trotz angespannter Haushaltslage – weiter in den Katastrophenschutz investieren.
In seinem Fachvortrag ging Christof Fischer detailliert auf den PSNV-Einsatz nach dem Amoklauf von Winnenden ein, an dem er selbst beteiligt war. Bereits einen Tag nach der Tat wurden zahlreiche Einsatzkräfte aus ganz Baden-Württemberg entsandt, um Betroffene vor Ort zu betreuen. Neben Trauerbegleitung im Umfeld der Schule wurden zentrale Anlaufstellen für Angehörige, Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler eingerichtet.
Eine spätere Auswertung des Einsatzes zeigte jedoch auch deutliche Defizite: Viele Einsatzkräfte fühlten sich unzureichend vorbereitet, es fehlten klare Alarmierungsstrukturen sowie einheitliche Einsatztaktiken. Auf Basis dieser Erkenntnisse wurde ein theoretisches Modell zur Verbesserung künftiger PSNV-Einsätze entwickelt. Die zentrale Schlussfolgerung: Psychosoziale Notfallversorgung muss fest in die Gesamteinsatztaktik integriert und organisationsübergreifend regelmäßig geübt werden.
Der Jahresempfang machte deutlich, wie wichtig Austausch, Vernetzung und kontinuierliche Weiterentwicklung im Katastrophenschutz sind – gerade angesichts wachsender Herausforderungen.